Startseite | Kontakt | Impressum

Biographie

Annette von Droste-Hülshoff, geb. am 12.1. 1797 auf Burg Hülshoff bei Münster in Westfalen , - Tochter des Freiherrn Clemens August von Droste-Hülshoff (1760-1826) und der Freiin Therese Luise von Haxthausen (1772-1853) - , gest. am 24.5. 1848 in Meersburg am Bodensee . Sie ist auf dem dortigen Friedhof begraben.

A. v. Droste-Hülshoff kam zu früh zur Welt und blieb ihr Leben lang schwach und kränklich. Mit ihrer Schwester Jenny (1795-1859) und den Brüdern Werner (1798-1867) und Ferdinand (1800-1829) verlebte sie ihre Kindheit auf der Wasserburg Hülshoff. Durch Privatunterricht erhielt A. v. D.-H. eine ausgezeichnete wissenschaftliche Bildung und besaß wie ihr Vater eine starke musikalische Begabung; sie übte Musik aus und komponierte auch. Schon mit 7 Jahren schrieb sie Gedichte und lernte 1813 ihren ersten literarischen Freund und Berater kennen, den damals 65jährigen Juristen Matthias Sprickmann, der als Regierungsrat und Professor für Staatsrecht in dem benachbarten Münster lebte und ehemaliges Mitglied des Göttinger Hainbundes war. Wegen ihrer geschwächten Gesundheit war A. v. D.-H. im Sommer 1819 in Bad Driburg zur Kur und reiste im Oktober 1825 zu Verwandten an den Rhein, nach Köln und Bonn, krank an Leib und Seele infolge des tragischen Bruchs ihrer gleichzeitigen (1819-1820) Freundschaft und Doppelliebe zu August von Arnswaldt, dem Sohn eines hannoverschen Ministers, und Heinrich Straube, einem Studenten der Rechtswissenschaft.

Am 25.7. 1826 starb unerwartet der geliebte Vater. Da der älteste Bruder heiratete und das Stammerbe übernahm, zog die Mutter mit ihren Töchtern auf den Witwensitz, das Gut Rüschhaus, in der Nähe von Münster.
Von Bedeutung für die künstlerische Entwicklung der A. v. D.-H. waren ihre freundschaftlichen Beziehungen zu Adele Schopenhauer, der Schwester des Philosophen, und insbesondere zu den Brüdern Grimm. Der Privatdozent und spätere Professor der Philosophie Christoph Bernhard Schlüter in Münster wurde 1834 ihr literarischer Berater; er hat die Erstausgabe ihrer "Gedichte" von 1838 betreut und 1851 "Das geistliche Jahr" und 1877 ihre Kompositionen herausgegeben.

Im Herbst 1834 heiratete ihre Schwester den 64jährigen Freiherrn Joseph von Laßberg. Auf dessen Burg Eppishausen im Kanton Thurgau weilte A. v. D.-H. auf ärztlichen Rat vom Sommer 1835 bis September 1836.

Die entscheidende Begegnung ihres Lebens erfuhr sie durch Levin Schücking (1814-83), den sie 1831 kennengelernt hatte. Er war der Sohn ihrer Jugendfreundin, der Schriftstellerin Katharine Schücking geb. Busch (1791-1831). Mit ihm verband sie eine mütterlich hingebende und letztlich entsagende Liebe.

Im Alten Schloß in Meersburg, das ihr Schwager 1838 erworben hatte, lebte A. v. D.-H. von September 1841 bis August 1842, Herbst 1843 bis Herbst 1844 und von Oktober 1846 bis zu ihrem Tod. Auf ihren Vorschlag wurde Levin Schücking Bibliothekar auf der Meersburg und war dort von Oktober 1841 bis April 1842. In dem mit ihm dort gemeinsam verlebten Winter, der nach ihrem Bekenntnis schönsten Zeit ihres Lebens, erreichte ihr dichterisches Schaffen den Höhepunkt. Im November 1843 erwarb A. v. D.-H. mit dem Vorschußhonorar der 2. Ausgabe ihrer "Gedichte" als Eigenbesitz das "Fürstenhäusle", ein Gartenhäuschen mit Weinberg oberhalb Meersburgs, das sie aber wegen Krankheit nur selten bewohnen konnte.

A. v. D.-H. gehört zu den großen dichterischen Frauengestalten der Weltliteratur. Sie ist die bedeutendste deutsche Lyrikerin, aber erst im 20. Jahrhundert mehr und mehr in ihrer ganzen Bedeutung erkannt. Kleine Epen und Balladen, reine Lyrik und geistliche Lieder sind ihr Gesamtwerk in Versform. Den Höhepunkt ihrer Kunst erreichte sie in ihrer Naturlyrik. Der Weltruhm der A. v. D.-H. gründet sich für die religiöse Beurteilung im "Geistlichen Jahr". Die Dichterin war eine fromme Katholikin, durchaus treu der angestammten Kirche und ihren Lehren und Gebräuchen. Doch läßt diese Dichtung in ein schweres inneres Ringen der vom Geist der Zeit erfaßten und vom religiösen Zweifel erschütterten Seele blicken. Das "Geistliche Jahr", ein Zyklus von Betrachtungen und Gebeten in Versen im Anschluß an die Evangelien der Sonn- und Feiertage des Kirchenjahrs, "ist viel mehr als subjektivistische Empfindsamkeit und pietistische Gefühligkeit, mehr auch als nur das subjektve Bekenntnisbuch einer gequälten Seele. Bekenntnis ist es in dem großen Sinn augustinischen Bekennens, die confessio, in der ein Mensch preisend und leidend, dankend und bittend und sühnend seine Schuld und sein Irren, sein Suchen und sein Finden auf allen Wegen und Abwegen in den Dialog seiner Seele mit Gott hineinnimmt" (Theodor Steinbüchel). "Die letzten Gedichte dieses Zyklus gehören zum Tiefsten, was das 19. Jahrhundert an religiöser Lyrik und religiöser Kunst hervorgebracht hat" (Clemens Heselhaus). - Höhepunkt ihrer Erzählkunst ist die Novelle "Die Judenbuche", die Spätromantik mit modernem psychologischem Realismus vereinigt. -

Seit 1928 besteht eine Droste-Gesellschaft mit dem Sitz in Münster (Westfalen